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Reisebericht Altiplano-Expedition 2019

Martin Skjeldal 28.05.2019

Ich bin sehr froh euch berichten zu können: Die Altiplano-Expedition im März/April hat gehalten was sie verspricht. Unendliche Weiten, fantastisches Licht, viele wildlebende Tiere und den klarsten Sternenhimmel, den man sich als Mitteleuropäer so vorstellen kann.

Für mich persönlich war es auch eine Reise in die Vergangenheit. In Chile und vor allem in San Pedro de Atacama hat meine tiefe Verbundenheit zu Südamerika ihren Ursprung. Während eines Auslandssemesters habe ich hier drei Monate verbracht und man kann im Nachhinein sagen es war Schicksal, oder eine glückliche Fügung. Wie man es auch sieht, ohne diesen Aufenthalt hätte ich diese fantastischen Ausblicke auf San Pedros Hausberg, den Vulkan Licancabur nicht gehabt, wäre nicht von der schönsten blauen Stunde der Welt verzaubert worden und würde heute wahrscheinlich Glühbirnen verkaufen, oder einen anderen Job in der Fotobranche ausüben. Wer weiß das schon. Auf jeden Fall kann man vom Licht in der Atacama nicht genug bekommen. 

Seit meiner Zeit vor Ort hat sich jedoch vieles verändert. Die Straßenzüge im Zentrum des Wüstendorfes San Pedro sind zwar zum Glück fast unverändert geblieben, nämlich im ursprünglich gehaltenen Adobe Stil. Es gibt auch noch die alt eingesessenen Agenturen und Restaurants, aber der Ort ist inzwischen ungleich stärker frequentiert. Da zuckt man jedes Mal zusammen, wenn man das Hotel verlässt und die Straßen des Ortes betritt. Das ist sicherlich der Nostalgie geschuldet. Früher gab es nach 23 Uhr keinen Strom mehr und man saß zusammen bei Kerzenlicht, heute gibt es schnelles Internet und sogar zwei Bankfilialen. Mit dem erhöhten Besucheraufkommen kamen leider auch vermehrt Beschränkungen. Das war in den letzten Jahren seit unserer Tour-Premiere 2012 schon zu beobachten. So konnte man früher im Mond Tal zum Beispiel so lange verweilen wie man wollte. Heute wird man zur Unzeit, wenn das Licht am schönsten ist, gebeten den Ort zu verlassen. Hier konnten wir zum Glück mit Jenny, unserer Reiseleiterin, noch etwas Zeit schinden, sodass wir diesen Aussichtspunkt schließlich zum Ende noch einmal ganz für uns allein hatten.

Trotz allem kann man konstatieren: Obwohl die Besucherzahlen rasant gestiegen sind, findet man um San Pedro de Atacama noch wunderbare Orte, die man auch für längere Zeit ganz für sich hat. Man muss nur wissen wo und wann! Hier hat uns Jenny immer wieder sehr geholfen. Ich kenne sie übrigens noch aus meiner Zeit vor Ort vor mittlerweile 17 Jahren. Daran kann man auch ihre Erfahrung bemessen. Mit ihrer Hilfe konnten wir uns zum Beispiel Zugang zu einem Aussichtspunkt verschaffen, der normalerweise zum Sonnenaufgang für den Publikumsverkehr gesperrt ist. Dafür sind einfach gute Kontakte zu den Atacameños notwendig und dieses Vertrauen muss man sich über viele Jahre erarbeiten. Insofern hat sich der Aufenthalt in San Pedro de Atacama auf jeden Fall gelohnt, auch wenn ich selbst das alles noch ganz anders kannte und dementsprechend romantisiere. Die goldenen Morgenstunden, das späte Nachmittagslicht und vor allem die violett-blaue Färbung zur Blauen Stunde sind nach wie vor unvergessliche Momente und fotografisch ein absoluter Traum! 

Als es dann nach fünf Tagen in der Atacama ins Hochgebirge nach Bolivien ging, waren alle Gedanken an Beschränkungen und Touristenhorden sowieso vergessen, denn hoch oben in den Anden eröffnen sich unendliche Weiten und Ausblicke auf Lagunen und Vulkane, die unvergleichlich sind. So war meine Gruppe nach dem ersten Tag schon total eingenommen von diesem Land, das auf der touristischen Landkarte zum Glück noch immer weitgehend unter dem Radar fliegt. Mit drei Land Cruisern ging es die nächsten Tage durch das Altiplano Boliviens. Bereits kurz nach dem Grenzübergang, der auf bolivianischer Seite nicht mehr als ein kleiner Behelfsbau ist, standen wir vor den ersten Lagunen, erlebten außerirdisch anmutende Geysire, Tausende Flamingos, Vulkane, und und und. Kam in Chile noch alles geordnet, reglementiert und organisiert daher, beginnt in Bolivien das echte Abenteuer!

Die erste Nacht auf 4.500 Metern war dann eine Herausforderung selbst für eine gut akklimatisierte Gruppe. Man schläft in diesen Höhen einfach unruhiger. Trotzdem haben es sich zwei Teilnehmer nicht nehmen lassen nach dem Abendessen noch einmal raus zu gehen, um den fantastischen Sternenhimmel der südlichen Hemisphäre zu fotografieren. Ich gebe zu nach einem langen Tag im Hochgebirge ist es durchaus eine Überwindung sich nochmals aufzuraffen um raus in die Kälte zu gehen. Gelohnt hat es sich für uns auf jeden Fall! In dieser Höhe bei klarster Luft ist kaum ein Fleckchen Himmel ohne Stern auszumachen und meine Mitreisenden waren genauso wie ich total fasziniert von diesem Anblick. Einzig die vernünftigen Vordergrundelemente haben uns zum Fotografen-Glück gefehlt. Und so kann man sich dann auch mal damit begnügen, Momente wie diesen einfach nur zu genießen. Die langen Belichtungszeiten machen die Astrofotografie ja sowieso zu einer meditativen Übung. Und das ist auch gut so!

Die nächsten Tage vergingen natürlich wie im Flug mit jeder Menge Lagunen, Vulkanen, Flamingos und Vikunjas. Und so standen wir schließlich zum Sonnenuntergang auf dem größten Salzsee der Welt. Dies sollte der Höhepunkt dieser Fotoreise werden und unser Guide Christian und ich waren entsprechend nervös ob alles auch so passen würde. Der gemeine Naturfotograf ist ja durchaus anspruchsvoll. :) Wir hatten als Reisezeit dieses Mal die Periode nach der Regenzeit gewählt, zu der Teile des Salzsees noch unter Wasser stehen. Dadurch hat man Spiegelungen auf dem Salzsee, die sich fotografisch wunderbar einsetzen lassen. Dieser Plan ging zum Glück voll auf, denn die Bedingungen passten an diesem Tag zusammen. Zunächst konnten wir einen Bereich finden, an dem der Salzsee unter Wasser stand und trotzdem mit den Geländewagen erreichbar war. Für die Autos ist das Salzwasser natürlich ein echter Härtetest! Außerdem war der Wind nicht so stark, dass die Wasseroberfläche aufgewühlt wurde, sodass man die Spiegelungen auch wirklich fotografieren konnte. Und der Sonnenuntergang, den wir dann erleben durften, war auch noch ein absolutes Farbspektakel, denn es spielte uns noch ein weiterer elementarer Aspekt in die Karten. Es gab nämlich auch das richtige Maß an Bewölkung. Genug freier Himmel, um die Sonne am Horizont hindurch zu lassen und dazu Wolkenformationen über unseren Köpfen, die die warmen Farben der untergehenden Sonne wunderbar aufnahmen. Dadurch hatten wir also nahezu perfekte Spiegelungen im Salzsee. Mehr konnte man nun wirklich nicht erwarten und so gehörte dieser Abend auf dem Salar de Uyuni zu den absoluten Höhepunkten dieser Fotoreise! 

Am nächsten Tag konnten wir den Salzsee dann nochmals in vollen Zügen genießen, denn auch im Mittagslicht und an den trockenen Stellen ist er ein wunderbares Fotomotiv. An einigen Stellen war auch das typische hexagonale Muster auf der Oberfläche sichtbar. Nach einem BBQ mitten auf dem Salzsee trennten sich dann am Nachmittag die Wege der Gruppe. Wer wollte konnte noch einmal einen Sonnenuntergang auf dem Salar de Uyuni erleben, der andere Teil der Gruppe machte sich auf zum Eisenbahnfriedhof von Uyuni. Ich war dann ganz froh vor den alten Waggons und Loks zu stehen, denn auch an diesem Nachmittag war die Lichtstimmung wieder grandios und geradezu dramatisch: dunkle Wolken im Hintergrund auf der Bergkette und seitlich einfallendes, goldenes Sonnenlicht. Mehr geht nun wirklich nicht!

Einen Tag später verließen wir dann Uyuni und den Salzsee. Nach neun Tagen Natur- und Landschaftsfotografie mit relativ wenig Zivilisation war es dann eine willkommene Abwechslung in die Kolonialstädte Sucre und Potosí einzutauchen. Das Schöne in weiten Teilen Südamerikas ist ja unter anderem die Tatsache, dass die Straßen häufig so stark bevölkert sind, dass es einen Riesenspaß macht dort zu fotografieren. So konnten wir uns zur Abwechslung mal dem Genre der Street-Fotografie widmen. Für viele ist diese Disziplin eine besondere Herausforderung, denn es erfordert immer mal wieder die Interaktion mit Passanten und Einwohnern. Ich selbst sehe diese Begegnungen eher als Gelegenheit, um mit Einheimischen in Kontakt zu treten. Dabei ist uns auch Christian immer wieder sehr hilfreich, denn er ist häufig der Türöffner, der uns mit Einheimischen ins Gespräch bringt. Auch wenn man viel Scheu und hin und wieder auch Abneigung begegnet, so sind viele Leute einfach neugierig wer wir sind und was wir tun. Ein positiver Nebeneffekt dieser Begegnungen - die wir übrigens auf allen Fotoreisen aktiv suchen - ist für die Gruppe auch die Gelegenheit authentische Porträtaufnahmen zu machen.

La Paz hatte dann wie gewohnt noch einmal seinen ganz eigenen Reiz. Eine Großstadt mitten in den Anden, die mittlerweile von einer Vielzahl an Seilbahnen durchzogen ist. Wo kann man schon auf diese Weise eine Stadt erkunden und bekommt solch spannenden Perspektiven geboten? Die Lage von La Paz unterhalb des Illimani, dem höchsten Berg Boliviens (6.439m) ist ebenfalls sehr reizvoll und die zahlreichen Kontraste zwischen Kolonialzeit und Moderne sind fotografisch total spannend. Man hat eine riesige Auswahl an tollen Motiven. Und mit unserem Guide Christian, der hier selbst auch lebt, haben wir auf jeden Fall den perfekten Menschen an Bord, um uns diese Stadt näher zu bringen. Deshalb konnte sich die Gruppe nicht nur intensiv der Fotografie widmen, sondern auch kulturell einiges dazulernen. 

Von der Sonneninsel auf dem Titicacasee bleibt mir schließlich vor allem die Pachamama-Zeremonie mit einem Schamanen in Erinnerung. Natürlich wirkt das auf einen Europäer auch ein bisschen skurril, aber vor dieser Kulisse oben auf dem Berg, mitten auf dem riesigen Titicacasee war es für mich etwas ganz Besonderes. Als die Sonne zum Ende hin durch die dunklen Wolken brach, war definitiv der Höhepunkt eines überraschenden Drehbuches erreicht. Ein perfekter Moment, den es fotografisch bestmöglich umzusetzen galt. Der darauf folgende Morgen auf der Sonneninsel hatte ebenfalls einiges zu bieten. Wir machten einen Spaziergang durch das nahe gelegene Dorf bei dem wir auf eine Vielzahl an Einheimischen trafen, die sich auf dem Weg zur Arbeit auf den Feldern machten. Hier ist das noch immer eine körperlich herausfordernde Arbeit, denn an den Hängen der Insel auf über 3.800 Metern Höhe wird noch mit Spitzhacke gearbeitet. Das ringt dem Besucher definitiv Respekt ab. Für unsere Gruppe bedeuteten diese Begegnungen auch noch einmal tolle Fotogelegenheiten.

Zurück in La Paz ging es dann schließlich noch über die "gefährlichste Straße der Welt" in die tropischen Yungas. Aufgrund einer inzwischen etablierten alternativen Route hat die Straße nach Coroico mittlerweile viel von ihrem ursprünglichen Schrecken eingebüßt und man kann sich dadurch mehr auf die Schönheit der umliegenden Berge konzentrieren. Die Begegnungen mit LKWs und Bussen in den engen, unbefestigten Kurven neben einer 1.000 Meter tiefen Schlucht sind nicht mehr Teil dieser Fahrt. Ich selbst kenne das noch anders und habe definitiv nichts vermisst. :) Die Ausblicke in die Schluchten sind allerdings nach wie vor atemberaubend! Unser Ziel war an diesem Tag eine Kaffee Finca, die das Label "organisch" wirklich verdient. Als Kaffee-Liebhaber finde ich es immer wieder spannend die Produktionsprozesse kennenzulernen und hier war es besonders schön. Es hat mich sehr beeindruckt wie aufwändig richtig guter Kaffee produziert werden muss. Mit Monokulturen kommt man jedenfalls nicht sehr weit und so hatte unser Rundgang über die Plantage eher den Charakter eines Urwaldspaziergangs. Da wir uns hier an einem für diese Reise rekordverdächtig tief gelegenen Ort von nur 1.700 Metern über dem Meeresspiegel befanden, hatten wir auch noch einmal einen schönen Kontrast. Plötzlich war alles grün und die Temperaturen tropisch!

Zum Abschluss hatte ich aufgrund eines notwendigen Stopovers auf dem Rückflug noch einen Bootsausflug auf die Islas Palomino bei Lima organisiert. Abertausende Seevögel, eine Seelöwen-Kolonie, Magellan-Pinguine und Fischerboote haben für einen schönen Rahmen und den perfekten Abschluss dieser Fotoreise gesorgt. So konnten wir am Abend dann die Heimreise antreten mit einer auch am letzten Tag sehr ergiebigen Fotoausbeute. 

Mein Fazit zu dieser Fotoreise fällt entsprechend euphorisch aus: Chile ist nach wie vor für mich ein Sehnsuchtsland mit grandioser Natur. Das gilt für die Atacama genauso wie für Patagonien. Daran können auch die teils lästigen Beschränkungen bei San Pedro nichts ändern. Und Bolivien ist und bleibt für mich eines der meist unterschätzten Reiseländer und das ist auch gut so! Wir können als Gruppe einzigartige Momente erleben, denn es erwartet uns weiterhin Abenteuer pur mit unseren Land Cruisern im Hochgebirge. Wir genießen diese Momente in vollen Zügen, denn wir fühlen uns zu keiner Zeit wie Touristen in einem überlaufenen Reiseland. Unter dem Strich war es also wieder eine super spannende Altiplano-Expedition mit ganz besonderen, unverhofften und spontanen Momenten. Aus diesem Grund ist es auch jedes Mal wieder spannend, egal wie oft man schon dort war. An dieser Stelle noch einmal mein herzlicher Dank an meine begeisterten Teilnehmer und natürlich auch an unsere Guides Christian und Jenny! Unsere Partner vor Ort haben definitiv wieder einen tollen Job gemacht und das ist für unsere Fotoreisen auch ein wichtiger Erfolgsfaktor!

Das Erlebte macht Lust auf mehr und wir haben da natürlich im Moment auch wieder etwas in Planung! :) Aber dazu später mehr...

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