Zehn Tage Allrad durch den Nordwesten Argentiniens: Reisebericht von der Puna-Premiere 2024 – mit Campingnacht auf dem Salzsee, verlassenen Minen auf 5.200 Metern und Landschaften, für die es kaum die richtigen Worte gibt.
Vikunja und Flamingos an einer Hochlandlagune vor den Vulkanbergen der argentinischen Puna.
Im Frühjahr 2024 fand unsere Premiere im Nordwesten Argentiniens statt. Die Puna ist eine extraterrestrische Hochwüste voller landschaftlicher Höhepunkte – und eine Reise, die ich so schnell nicht vergessen werde.
Manchmal dachte ich, wir sind für das Location Scouting für den geplanten Hollywoodfilm Dune 3 engagiert. Es fehlte wirklich nur noch, dass uns einer dieser riesigen Sandwürmer begegnen würde. Gewundert hätte es mich nach diesen Erlebnissen nicht mehr allzu sehr. Zu spektakulär waren die Tage in dieser unwirklichen Umgebung, in der wir uns gut zehn Tage mit Allradfahrzeugen bewegt haben. Wie soll man das nur treffend beschreiben? Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung.
Serranía de Hornocal bei Humahuaca.
Nachdem ich die Hochebenen im benachbarten Bolivien und die Atacamawüste in Chile schon mehrmals bereist hatte, hätte ich damit nicht gerechnet. Auf den Fotos sahen die Höhepunkte sehr vielversprechend aus, aber der Gesamteindruck vor Ort hat alles noch einmal um Längen getoppt. In gewissem Sinne war es eine Reise zurück zu den Wurzeln von Zoom Expeditions: Mit der Atacama und dem Hochland von Bolivien fing alles an. Vierzehn Jahre ist das mittlerweile her – und nach vielen tollen Erlebnissen in dieser landschaftlich so reizvollen Ecke dieses Planeten haben wir jetzt tatsächlich noch einmal etwas Neues entdeckt. Etwas, das nicht alles jenseits der argentinischen Landesgrenze in den Schatten stellt, aber zumindest in der Fülle seiner Höhepunkte seinesgleichen sucht.
Gewitterstimmung über dem Salzsee mit dramatischen Wolken und Blitz am Horizont.
Unvergesslich ist dabei sicher unsere Campingnacht an den Salinas Grandes. Der Salzsee erinnert ein wenig an den großen Bruder Salar de Uyuni, und für die Idee, mitten darauf unser Camp zu errichten, war ich natürlich sofort zu haben. Starke Regenfälle einige Tage zuvor hatten jedoch dafür gesorgt, dass große Teile des Sees unter Wasser standen – sodass wir kurzerhand daneben zelteten. Das Camp war längst aufgebaut, als wir ankamen, denn die Organisation unserer lokalen Partner war ausgezeichnet. Stehendes Wasser zieht einen Fotografen magisch an, und das Glück war uns hold: Bei Windstille spiegelten sich die gegenüberliegenden Berge perfekt im Salzsee, die tiefstehende Sonne färbte die Wolken warm ein. So wurde ein vermeintliches Problem zum Standortvorteil. Beim Sonnenuntergang zogen dann dunkle Wolken über den Bergen auf – und unsere Fotos wurden noch um einige helle Blitze ergänzt. Spätestens jetzt war auch für den anspruchsvollen Landschaftsfotografen der erste große Höhepunkt dieser Fotoreise erreicht. Da das Gewitter langsam auf uns zuzog, mussten wir die Sternenfotografie für diesen Abend zwar absagen – aber der Abenteuerfaktor war kaum noch zu überbieten. Am nächsten Morgen war wieder alles ruhig, und der Sternenhimmel präsentierte uns noch die Milchstraße. Beseelt zogen wir nach dem Frühstück von dannen.
Am nächsten Tag ging es vorbei an zwei weiteren Salzseen zur Teufelswüste, die wir auf dem Weg nach Tolar Grande durchquerten. Die roten Felslandschaften, die im Licht der untergehenden Sonne glühten, erinnerten mich ans Valle de la Luna in San Pedro.
Der nächste große Höhepunkt war der Cono de Arita, der durch ein preisgekröntes Landschaftsfoto zuletzt große Bekanntheit erlangt hat. Zum Sonnenuntergang ist er ein außergewöhnlich schönes Fotomotiv. Mit der Drohne versuchten wir unter anderem, das besagte Bild nachzustellen – ich denke, es ist uns ganz gut gelungen.
Ab hier wurde die Tour nur noch spektakulärer. Und das bei einer Abgeschiedenheit, die man sich kaum vorstellen kann: Abgesehen von einigen Motorradfahrern sind wir kaum noch auf andere Menschen getroffen. An der verlassenen Schwefelmine Mina Julia auf 5.200 Metern waren wir jedenfalls ganz unter uns. Die Landschaft war einmal mehr absolut einzigartig. Das Gelb des Schwefelberges hatte ich so noch nie gesehen, und der Blick nach Chile eröffnete ein weites Feld roter Felsen.
Zwei Personen in den hellen Dünen der argentinischen Puna.
Den krönenden Abschluss bildete El Peñón – und das nicht nur wegen der bereits erwähnten Bimssteinfelder, sondern wegen des Gesamtpakets. In einer Salzpfanne steht hier ein pechschwarzer Vulkan, der mit den umliegenden weißen Salzablagerungen kontrastiert. An einer Seite geht er direkt in eine Lagune mit Flamingos über, im Hintergrund ragen rote Berge auf. Auf der anderen Seite des Vulkans findet man riesige weiße Sanddünen – wir erlebten hier einen fantastischen Sonnenaufgang – und schließlich die endlos erscheinenden, bizarren Felsen des Campo de Piedra Pómez. Kein Foto gleicht hier dem anderen. Die Möglichkeiten für Bildkompositionen sind unerschöpflich.
Von unserer Basis in El Peñón unternahmen wir auch noch einen Tagesausflug, bei dem uns hinter jedem Bergpass neue Farben, neue Formen und anderes Licht erwarteten. Das war vielleicht sogar der eindrücklichste Tag dieser Fotoreise – bei der ohnehin jeder Tag besonders war. Der wahre Luxus des Reisens trat hier offen zutage: die unendlichen Weiten, die Abgeschiedenheit und das Bewusstsein, dass es Orte wie diesen kaum noch gibt. Ich erinnere mich, das Wort "unglaublich" ziemlich inflationär gebraucht zu haben. Es wurde zum Running Gag, dass Victor – bei dem ich im Pickup saß – mehrfach sagte, es werde noch besser, und ich es kaum für möglich hielt. Er sollte Recht behalten.
Mein Dank gilt nach diesen einmaligen Erlebnissen unseren lokalen Partnern und Fahrern, die uns sicher durch diese außerirdischen Landschaften navigiert und mehr als einige Überstunden geleistet haben, damit wir immer bei bestem Licht vor Ort waren. Mein Dank gilt auch Christian, der die Premiere 2024 mit mir organisiert und begleitet hat. Und natürlich gilt mein Dank unserer Reisegruppe – es war eine besondere Gemeinschaft, die aus dieser Premiere etwas Eigenes gemacht hat.
Eine kleine Randnotiz zum Schluss: Wir haben auf dieser Reise auch den Nationalpark Calilegua besucht, um Abwechslung in das Programm zu bringen und etwas Tierfotografie in sattem Grün zu ermöglichen. Die Bergpässe eröffneten tolle Panoramen, und ein unvergessliches Grillfest – mit mutmaßlich dem besten Rindfleisch aller Zeiten – gehörte ebenfalls dazu. Da dieser Abschnitt trotz kurzer Distanzen lange Fahrzeiten beanspruchte und die Tierbeobachtungen hinter den Erwartungen zurückblieben, haben wir ihn aus der überarbeiteten Route herausgenommen.