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Location Scouting auf den Lofoten

Martin Skjeldal 15.12.2017

Im November war ich für eine Woche auf den Lofoten zur Vorbereitung einer neuen Fotoreise. Da es sich bei dieser Inselgruppe nicht unbedingt um einen Geheimtipp handelt, war die Vorab-Recherche relativ unkompliziert und ich bin schon mit ziemlich klaren Vorstellungen angereist, wie die fertige Tour aussehen könnte.

Irgendwo hatte ich gelesen die Lofoten hätte sich so nur ein Kind ausdenken können. Berglandschaften mit bis zu 1.500 Metern Höhe, türkises Meer wie in der Karibik, weiße Sandstrände, kleine Fischerdörfer und alle Inseln verbunden durch eine Landstraße, die legendäre E10. Die Fotospots sind hier total einfach zu erreichen, nicht nur aufgrund der E10, sondern auch weil sie leicht zugänglich sind. Größere Trekkingtouren sind da gar nicht unbedingt nötig. Auf jeden Fall ist mir schnell klargeworden, warum so viele Fotografen von den Lofoten schwärmen. Es gibt in einem kleinen Einzugsgebiet wahnsinnig viel zu entdecken. Die wichtigste Erkenntnis ist aber, dass man trotz der vielen bekannten Fotospots noch immer sehr viel selbst entdecken kann und seine "eigenen" Bilder machen kann.

Zu dieser Jahreszeit hatte ich natürlich auch auf Nordlicht gehofft. Daraus wurde leider nichts, trotz guter Prognosen was die Himmelslichter betraf. Die Bewölkung war nachts einfach zu stark und das obwohl tagsüber auch häufig die Sonne zu sehen war. Es war einfach ein bisschen Pech dabei. Wobei, so ganz stimmt das mit dem Polarlicht nun auch wieder nicht. Am vorletzten Tag hatte ich noch einmal einen verzweifelten Versuch unternommen. Die Fahrt zu diesem tollen Fotospot, den ich mir ausgesucht hatte, führte mich zunächst durch einen Schneesturm, wobei mir der Gedanke kam, ob es die vage Aussicht auf Nordlicht überhaupt wert sei, hier solche Anstrengungen zu später Stunde zu unternehmen. Laut lokaler Wettervorhersage sollten an der Küste jedenfalls Wolkenlücken entstehen. Und tatsächlich: als ich um die letzte Kurve fuhr, hatte der Schneeregen aufgehört. Das war doch schon mal ein Anfang. Frei nach Woody Allen: "80% of success is showing up." :) Leider gab es dann nur vereinzelte Wolkenauflockerungen, die mich zwar die Anwesenheit des Polarlichtes erfahren ließen und fotografisch durchaus ihren Reiz hatten, das erhoffte Feuerwerk am Himmel blieb jedoch aus. Dabei musste ich auch noch gegen Wind und Wetter ankämpfen. Es ist ja mittlerweile so etwas wie ein Running Gag, was Fotografen so alles auf sich nehmen um an außergewöhnliche Fotos zu kommen. Dabei muss ich immer an diese amüsante Canon Werbung denken, in der Fotografen allerlei halsbrecherische Aktionen vollführen, um interessante Perspektiven zu erlangen.

Als Vordergrundelemente für mein erstes Nordlicht hatte ich mir jedenfalls diese schönen Felsen am Sandstrand vorgenommen. Dumm nur, dass langsam die Flut hereinkam, mit allerlei unvorhersehbaren Wellengängen. Zwischenzeitlich gesellten sich zu dem böigen Wind auch wieder einige Schneeflocken, was das Handling auch nicht gerade vereinfachte. Manchmal hat man einfach zu viele Dinge parallel zu manövrieren: Wellen beobachten, Objektiv trocken halten, Fernauslöser, Einstellungen anpassen, Vordergrundelemente ausleuchten. Einige Sprünge rückwärts waren auf jeden Fall dabei. Gut, dass meine Wanderschuhe halbwegs wasserfest sind. Irgendwann musste ich dann trotzdem einsehen, dass der Kampf gegen die Elemente aussichtslos ist. Schade eigentlich, denn das Motiv war dort recht vielversprechend. Das Knirschen beim Ausziehen der Objektivbeine am nächsten Tag war dann noch das I-Tüpfelchen. :) Natürlich gibt es auch eine Moral von der Geschichte, denn ich finde es ist sehr wichtig zumindest alles versucht zu haben. Vor dem Fernseher im Hotel wäre jedenfalls kein schönes Bild entstanden. Es gibt ja nichts schlimmeres als das Gefühl etwas verpasst zu haben. Die Erfahrung zeigt doch außerdem, dass uns die Fotos, die bei widrigen Umständen entstanden, nachher oft am meisten bedeuten. Je mehr wir dafür auf uns genommen haben, desto mehr sind sie uns wert. Früh aufstehen, einen Berg besteigen, Wind und Wetter getrotzt. Ohne Fleiß, keinen Preis. Das bringt man doch schon seinen Kindern bei.

Was ich auf jeden Fall mitnehme ist die Erkenntnis, dass eine reine Nordlichter Tour, wie wir sie in Troms veranstalten, hier keinen Sinn macht. Dafür ist die Aussicht auf Polarlicht einfach zu vage. Das kann man in einer Woche Aufenthalt nicht versprechen. Schon gar nicht in der Form wie wir es eine Woche später auf Kvaløya erleben durften. Allerdings macht eine Wintertour hier durchaus Sinn. Dann sind die Berge mit Zuckerguss bedeckt und die winterliche Landschaft hat ihren ganz eigenen Reiz. Das Licht in diesen Breiten ist außerdem stundenlang sanft und wunderschön, sodass man viel Zeit draußen bei schönsten äußeren Bedingungen verbringen kann. Natürlich ist hier das Wetter nicht so kalkulierbar, aber der eine oder andere dramatische Wesenszug gibt ja auch unseren Fotos das gewisse etwas. So habe ich es während meines Aufenthaltes auch erlebt. Die Szenerie wechselt manchmal im Minutentakt die Lichtstimmung. An einem Tag sind fünf Regenbögen keine Seltenheit. Zudem sind die ganz großen Besuchermassen wie im Hochsommer im Winter auch nicht zu erwarten. Man trifft dann eher auf andere verrückte Fotografen mit ähnlichen Absichten. :) Und wenn dann doch die Aurora Borealis bei wolkenlosem Himmel über diesen Landschaften tanzt, dann sind das ganz sicher unvergessliche Momente! Mit einem kenntnisreichen lokalen Partner soll die Lofoten-Tour dann voraussichtlich 2019 erstmalig stattfinden.

 

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